Von Valhalla zum Fußball in Glasgow

Lange hatte ich überlegt, was ich an meinem 50. Geburtstag unternehmen kann.

Viele Pläne hatte ich, aber ich konnte zum Schluss nur paar Tage in Glasgow umsetzen. Nu einfach so bin ich nicht geflogen. Im Kicker habe ich gesehen, dass direkt an mehren Geburtstag das Qualifikationsspiel Schottland gegen Dänemark im Hampden-Park stattfinden sollte. Ein Ticket habe ich noch bestellen können. Glasgow war so das Ziel an meinem 50. Geburtstag. 

Am Sonntag bin ich angereist und habe mit dem Aparthotel Adagio ein gutes Hotel gefunden. Glasgow habe ich mir angeschaut, war für paar Stunden in Edinburgh und habe einen BrewDog besucht. Ich kann nicht mehr erklären, warum mir die Biere von BrewDog mal geschmeckt haben. 

Marktsondierung in Glasgow

Bevor ich aber am Dienstag zum Fußball ging, hatte ich an meinem Geburtstag ein zufälliges wunderbares Ziel. Ich habe ChatGPT gefragt, wo ich in Glasgow am besten alkoholfreies Craft Bier kaufen kann, und bekam den Shop „Valhalla Goat“ genannt. Ich hatte die Wahl, 4 km zu laufen oder dann doch mit der U-Bahn zu fahren. Selbstredend habe ich mich für den öffentlichen Nahverkehr entschieden und war froh, die U-Bahn in Glasgow einmal erlebt zu haben. Die Wagen sind rund und selbst ich hatte ein Problem im Wagen aufrecht stehen zu können. Da ich nur 1,78 m groß bin, möchte ich nicht wissen, wie es größeren Menschen ergeht.

Subway in Glasgow

Der Bottle Shop selbst war nur anderthalb Minuten Fußweg von der U-Bahn-Station entfernt, und als ich den Laden betrat, kam mir fast die Tränen. Es war alles andere als ein hipper Laden. Ich fühlte mich erinnert, an den Gemischtwarenladen von Mister Hobbs auf der Chester Street im Film „Der kleine Lord“. Deckenhohe Regale mit einer feinen Sortierung mit Bier gefüllt. Es waren aber keine einfachen Regale. Es waren bis zur Decke gebaute Schränke, nur die Stauräume waren ohne Türen. Und das Mobiliar war nicht neu, es muss vor ganz vielen Jahrzehnten gebaut worden sein. Ich fühlte mich einfach wohl.

Die Verkäuferin habe ich gefragt, wo ich das alkoholfreie Bier finde und sie hat mir die Stelle gezeigt. Ich war richtig angetan von dem, was ich da gesehen habe. Eine sehr schöne Auswahl und ich habe mich gefreut, dass ich mich doch dazu entschlossen hatte für den Flug Aufgabegepäck zu buchen. Ich brauchte nur wenig Bier einzupacken, da ich die anderen alkoholfreien Brauprodukte schon längst kannte.

Beeindruckende Auswahl
  • Collective Arts – IPA
  • Collective Arts – Hazy Pale Ale
  • Mash Gang – Lesser Evil 
  • Verdant – Psych IPA
  • Brewers of Leith – Nae

An der Kasse bin ich mit der Verkäuferin ins Gespräch gekommen. Hier ist mir wieder aufgefallen, dass bei meinem gesprochenen Englisch definitiv Optimierungsbedarf besteht. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich der erste und auch wohl noch immer einzige Blogger über alkoholfreies Bier in Deutschland bin. ‚One and only‘ hört sich echt komisch an. 

Natürlich kam auch die Frage, was ich in Glasgow machen würde und ich erzählte ihr, dass ich zu meinem Geburtstag etwas besonderes machen wollte und am Abend zum Fußball gehe. Da es mein Geburtstag war, durfte ich mir eine der Stofftaschen aussuchen, die zum Verkauf angeboten waren. Auf einem der Fotos ist sie auch zu sehen.

In dem Gespräch erzählte sie mir, dass ihr Shop wahrscheinlich der in Glasgow ist, der die größte Auswahl an alkoholfreiem Craft Beer hat. Sie fügte aber direkt hinzu, dass sie ihre Mitbewerber nicht schlecht reden möchte. Hier ist die britische Höflichkeit gewesen, die ich so sehr liebe.

Dieser kurze Besuch alleine hätte den Weg von Wuppertal nach Glasgow gerechtfertigt. Hier war ich auch froh, dass ich keinen Alkohol mehr konsumiere. Ich wäre mit einer glühenden Kreditkarte aus dem Laden gegangen und hätte mir überlegen müssen, wie ich dieses Übergewicht für den Heimflug hätte finanzieren sollen.

Verwirrung im Glasgow Central

Von dort bin ich direkt ins Hotel, habe mich etwas ausgeruht und ging zum Bahnhof. Mein Hotel lag so zentral, dass sich beide großen Bahnhöfe in Glasgow fußläufig gut erreichen konnte. Wie es in Großbritannien üblich ist, sind die Abfahrtsgleise nicht im Fahrplan abgedruckt, sie werden erst kurz bevor der Zug einfährt, bekannt gegeben. Mir ist aufgefallen, dass alle Züge, die zum Stadion gefahren sind, vom Bahnsteig Q abfahren sollten. Alle anderen Bahnsteige waren numerisch, außer der für die Züge zum Stadion. Ich fragte einen offensichtlichen Mitarbeiter der Bahn, wo ich den Bahnsteig Q finden würde unter antwortete mir mit ‚over there‘ und zeigte Richtung Ausgang. Naiv wie ich bin, bin ich auch zum Ausgang gegangen, fand keinen Gleis, aber einen Tesco Supermarkt. Das kann es nicht gewesen sein. Zurück im Bahnhof, mir folgte eine Meute an dänischen Fans, die den Bahnhof laut singend und Fahne Schwenk betreten haben, habe ich einen Polizisten gefragt, wie ich zum Bahnsteig Q komme. Er war nicht so wortkarg und erklärte mir, dass der Bahnsteig Q kein physischer Bahnsteig ist, sondern vom englischen Wort queue für Warteschlange abgeleitet ist. Ich fragte, ob ich den dänischen Fans einfach folgen soll und er bestätigte es mir.

Ich stand dann mitten unter ganz vielen feiernden Dänen, die laut gesungen und viel getrunken haben, und bin so dem Mann vor mir aufgefallen, da ich nicht getrunken habe, nicht gesungen habe und auch nicht wie ein dänischer Fan gekleidet war. Es entwickelte sich folgender Dialog:

„Bist du Schotte?“
„Nein, Deutscher.“
„Was machst du hier? Lebst du hier?“
„Nein, ich besuche das Spiel.“
Eine Minute später 
„Ist dein Vater Schotte oder deine Mutter aus Dänemark?“
„Nein.“
„Warum dann?“
„Ich möchte an meinem Geburtstag etwas besonderes machen.“
„Unglaublich. Aber du machst hier noch Urlaub.“
„Nein, morgen geht es heim.“
„Unglaublich. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“

Schottische und dänische Fans wurden nicht getrennt, sie reisten gemeinsam zum Stadion. Im Zug gab es einen Gesangswettstreit und die Schotten wussten mit „Dancing Queen“ zu vereinen. Wie schön. Und ich war textsicher. 

Das Stadion befindet sich im Glasgower Stadtteil Mount Florida und ist die Heimspielstätte der schottischen Nationalmannschaft. Das Stadion ist Eigentum des schottischen Fußballverbands(SFA) und ist regelmäßig Austragungsort der K.o.-Runden und der Finalspiele im schottischen Pokal und Ligapokal.

Im Stadion war es schön. Einfach nur schön. Und das Rauchen war dort verboten und das härteste Getränk, was verkauft worden war, war die Fanta. Ich fühlte mich wohl. Auch spannend fand ich, dass das Stadion bargeldfrei ist und für das Ticket hat das Stadion eine eigene App. Nur darüber ist das Ticket gültig.

Liturgie im Stadion

Recht früh war ich im Stadion und fühlte mich an einen Gottesdienst erinnert. Das Stadion füllte sich und es setzte eine Liturgie ein. Das Spiel selbst ist die Predigt und die Lesung vor der Predigt sind die Nationalhymnen. Für mich ein Highlight. 

Die schottische Nationalhymne

Das Spiel endete mit einem 4:2 für die Schotten. Und so war klar dass sich Schottland für die Weltmeisterschaft 2026 von Kanada bis Mexiko qualifiziert. Was für eine Party. 

Zurück ins Hotel brauchte ich länger, was auch an meinen nicht vorhandenen Ortskenntnissen lag. Gegenüber meinem Hotel ist ein Pub mit Biergarten. Hier haben die schottischen Fans das nachgeholt, was im Stadion nicht ging. Faszinierend war für mich, dass unter den Schotten auch einige Dänen waren und mitfeierten. 

Für mich war es ein grandioser 50. Geburtstag. Erst der Besuch des Valhalla Goat und dann das das Fußballspiel. Eine gute Entscheidung nach Glasgow zu reisen. 

Noch ein Wort zu meinem Rückflug: ich war so guter Laune, dass ich mir am Flughafen ein Days bestellt habe. Für 8.- £ habe ich es in kleinen Schlucke genossen.