OkSoberfest oder der alkoholfreie Markt der Möglichkeiten
Im August 2026 habe ich irgendwo im Social Media gesehen, dass zwei Monate später in Berlin das OkSoberfest stattfinden wird. Das alkoholfreie Oktoberfest. Ich habe zu sehr an ein Oktoberfest gedacht und es schüttelte mir, alkoholfreies Bier aus Maßkrügen trinken zu müssen. Nach und nach kam der Gedanke auf, dass es weniger Fest und mehr Messe ist und man. mit dem Wortspiel OkSoberfest werben wollte. Das ist den Veranstaltern gelungen.
Das OkSoberfest fand am 10. & 11. Oktober 2026 in der Kulturbrauerei Berlin statt. Am 08. Oktober 2026 reiste ich an, hatte ein Hotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo und plante meine Rückreise für den 12. Oktober 2026. In meinem Kopf habe ich das Münchner Oktoberfest nicht verdrängt bekommen und war ernüchtert (was für ein spannendes Wort zu einem alkoholfreien Oktoberfest). Mir kam die Halle klein vor und ich habe mich gefragt, was ich an den zwei Tagen machen soll. Aber das legte sich mit der Zeit.
Die Aussteller
Das OkSoberfest hat mit vielen Ausstellern geworben. Etwas ernüchtert war ich dann doch, dass auch die zu den Ausstellern gezählt worden sind, deren Produkte im eigenen Späti verkauft worden sind. Erst habe ich mich auf die Brauereien konzentriert:
Meine Freude war groß, Ich hatte erstmalig die Möglichkeit mich mit Menschen von der Braumanufaktur Störtebeker auszutauschen. So habe ich erfahren, dass Anfang 2027 mindestens ein neues alkoholfreies Produkt kommen wird. Es hat mich auch gefreut, Dennis Spahn getroffen zu haben.


Neugierig hat mich Tomo gemacht. Sie haben mit Seoul Breeze bisher ein Bier im Sortiment: Ein alkoholfreies Pale Ale mit Yuzu-Saft. Die Hopfenherbe und die Fruchtigkeit der Yuzu mit ihrer leichten Süße konnte mich überzeugen. Für mich die Entdeckung des Wochenendes. Die Besucher konnten ihr „Lieblingsprodukt“ wählen und Tomo hat den Klara-Award 2026 gewonnen.
Der Braumeister Gumjo Lim ist vor zehn Jahren mit seiner Frau aus Südkorea nach Deutschland gekommen, um mehr über Bier zu lernen. Er studierte in Weihenstephan und arbeitet in einer Brauerei in Worms. Er bastelt aktuell an einem Rezept für ein neues Bier. Das hört sich spannend an, wird jedoch nicht alkoholfrei sein.
Knabe und Krombacher teilten sich einen Stand. Irritiert war ich, dass Knabe das komplette Produktsortiment (Malztrunk / Kola) dabei hatte, war Krombacher trotz der großen alkoholfreien Produktpalette ausschließlich mit dem Pils 0,0 vertreten. Besonders interessant, dass Krombacher erst vor kurzem das Pils 0,0 Herb in den Verkauf gebracht hat. Das erste Bier aus Krombach, dass nicht direkt nach alkoholfreies Bier schmeckt. Schade, hier hat Krombacher eine Chance nicht aufgegriffen.
Warsteiner hatte ebenfalls einen Stand, der prominent im Eingangsbereich hat und neben den alkoholfreien Warsteinerbieren, auch das König-Ludwig-Weißbier sowie das Estrella Galicia alkoholfrei ausgeschenkt hat.


Spannend fand ich das Engagement der Öttinger-Brauerei. Sie waren vertreten mit dem NullkommaNull von Original 5,0. Neben der lebendig gewordenen Bierdose, wurde von NullkommaNull ein Biergarten ausgerichtet. Begeistert hat mich ein Stand, da konnte man dem Bier Aromen zusetzen (Minze, Waldmeister, Maracuja, Popcorn, Yuzu, Ingwer und einiges mehr). Ich war dem aber schnell über. Die Geschmäcker haben mich für zwischendurch einfach überfordert. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das eine Veranstaltung an einem langen Nachmittag wäre.
Das Programm
Beide Tage fingen mit Sport an (Yoga und Hiit-Training) und es war bedauerlich, dass der Regen an beiden Tagen so stark war, dass ich nur mit zeitlichen Verzögerung das Hotel verlassen konnte. An beiden Tagen gab es Informationen, die Möglichkeit mit den Produzenten alkoholfreier Getränke sich auszutauschen und dem Entertaining zu lauschen.
An beiden Tagen gab es kulturelle Angebote. So traten am Samstag Sebastian Klussmann, Stumpen mit Kind und Kegel, Michael Nast und Marc Terenzi auf.
Sebastian Klussmann ist bekannt aus der Fernsehsendung „Gefragt – gejagt“ und hat ein anspruchsvolles Quiz veranstaltet. Stumpen (der Sänger von Knorkator) mit seiner Tochter Nethi und dem Bassisten Buzz Dee waren meine große Überraschung. Ich habe keine Ahnung, wie man diesen Auftritt bezeichnen soll, aber es war unterhaltsam, es war Klamauk und ich habe sehr viel gelacht. Bei Michael Nast war ich mir nicht sicher, ob er zeitweise vergessen hatte, welche Veranstaltung er besuchte („Als Single bin ich beim Sex nicht nüchtern“, aber auch „An meinem Geburtstag musste ich nüchtern bleiben und war überrascht, wie wenig ich mich mit meinen Freunden unterhalten kann.“). Der Auftritt von Marc Terenzi, hat mich motiviert, den Weg zurück ins Hotel zu suchen.

Am Sonntag waren die künstlerischen Darbietungen nicht meine erste Wahl. Bei „Knicki und Kröte“ war ich dankbar, ein Telefonat außerhalb der Halle führen zu dürfen. DJ Tomekk hatte an dem Tag Geburtstag und als er zum zweiten Mal ein Geburtstagsständchen eingefordert hat, bin ich dann auch gegangen.
Founders League
Aber zwischen Kröte und Tomekk wurde auf der Bühne für eine Talkrunde aufgebaut. Die Founders League lud zur Fragestellung „Sauber: Trend oder nachhaltiger Wandel?“ zum Interview. Den Namen von dem Mann, der für die gute Moderation verantwortlich war, ist mir leider entfallen, aber die Gesprächspartner waren:

- Alexander van Hessen, Gründer der Berlin Food Week und verantwortlich für das OkSoberfest
- Svenja Rossig, Gründerin vom Sober Brunch Club Berlin und Moderatorin des OkSoberfestes
- Michelle Calios, Gründerin KoRo
- Lotte Küppers, Gründerin von Loosh.
Die vier haben einen guten Einblick gegeben, wie es um den alkoholfreien Markt steht und machten deutlich, dass es ein nachhaltiger Wandel ist. Dass mir die Runde gefallen hat, konnte ich erkennen, dass ich mich gerne an dem Gespräch beteiligt hätte. Ich hielt mich zurück und es wurde nicht peinlich.
Nach dem Interview kamen vier Aussteller auf die Bühne und durften innerhalb einer Minute ihre Produkte vorstellen:
- UFF®: UFF® steht für funktionelle Getränke, die zu jedem Lifestyle passen – innovativ, hochwertig und voller Geschmack. Leider musste ich bei deren Stand an Fiat Lux denken, da sie ausstellenden Damen ausschließlich weiß gekleidet waren.
- Mellow Rusch: Mellow Rush ist ein alkoholfreier Mood Drink auf Kalamansi-Basis – gemacht für das Gefühl, wenn der Abend beginnt und alles ein bisschen leichter wird. Wie das erste Prickeln eines Champagners hebt Mellow Rush die Stimmung, ohne Alkohol, ohne Kater, ohne Verzicht.
- Tomo &: Tomo & steht für kompromisslosen Geschmack im Bereich alkoholfreier Biere. Gegründet von einem Team mit koreanisch-japanischen Wurzeln, verbindet Tomo & traditionelle deutsche Braukunst mit authentischen fernöstlichen Aromen.
- Pomo: Pauline Paeschke hat ihr Start-Up Pomo vorgestellt, aber konnte noch kein Produkt vorstellen. Das wird in den kommenden Wochen in den Verkauf gehen. Bei LinkedIn wird Pomo so vorgestellt: Schluss mit Zutatenlisten, die niemand versteht. Wir machen Getränke wieder einfach, natürlich & erfrischend anders. Sprudelwasser + maximal 5 Zutaten. Das war’s schon! Pomo – coming soon!
Es erinnerte an eine Miniausgabe der Höhle der Löwen. Die Aussteller durften sich den Fragen der Gesprächsrunde stellen und gaben zusätzliche Einblicke in ihre Produkte.
Fazit
Eine liebevolle Veranstaltung mit Potential nach oben. Aber es war das erste OkSoberfest mit einem gelungenen Aufschlag. Dieser Markt der Möglichkeiten hat Produkte gezeigt, die ich schmunzelnd zu Kenntnis genommen habe. Es waren Getränke, die einem vorgaukeln betrunken zu sein, obwohl kein Alkohol enthalten ist. Oder auch Limonaden von Frauen für Frauen, die auch mit Kollagen angereicht sind. Aber ich habe auch ein Proteinbier getrunken, das ich anstrengend fand, aber ich die Hoffnung habe, dass es andere Menschen gibt, die deren Produkte und den Geschmack zu schätzen wissen.
Außer Oksoberfest?
Da ich etwas länger in Berlin war, möchte ich kurz erzählen, was ich noch gesehen habe. Berlin hat mich, wie so oft, überfordert und ich bin dankbar über zwei Tipps gewesen:
- Das Futurium habe ich besucht und wagte einen kleinen Blick in die Welt, wie sie sich verändern kann. Fußläufig vom Hauptbahnhof entfernt (Ausgang Warschauer Platz und dann links hoch) und der Eintritt ist gratis..
- In der Sternwarte am Prenzlauer Berg war ich auch. Mein Glück war, dass an dem Freitagabend Tim Florian Horn, der Institutsleiter, einen Vortrag über die Sternbilder über Berlin gehalten hat. Man sitzt in Liegestühlen und hat den Blick in den Himmel. Von dem Tim Florian Horn könnte ich mir auch Telefonbücher vorlesen lassen. Eine fantastische Stimme und ein sehr interessanter Abend.

