Hamburgs neue Lust auf alkoholfreies Pilsener
Drei Jahre ist es nun her, dass ich bei Regine Marxen und Stefan Endrigkeit in Hamburg gewesen bin und wir für ihren HHopcast (ich vermisse euch!) in einer Folge alle acht alkoholfreien Biere getestet haben, die es damals auf dem Markt gegeben hat. Daran erinnere ich mich nun, da innerhalb kurzer Zeit drei Hamburger Brauereien drei alkoholfreie Pilsener präsentiert haben: Kehrwieder, Wildwuchs und Landgang.

Die drei Biere stelle ich einzeln vor, werde sie aber nicht vergleichen. Ich bin kein großer Fan von Rankings.
Kehrwieder – Die Kreativbrauerei, die gerne ein Schritt voraus ist
Kehrwieder nennt sich nicht ohne Grund „Kreativbrauerei“. Immerhin war Kehrwieder die erste Brauerei in Deutschland, die ein alkoholfreies IPA gebraut hat. Es war damals gut und heute immer noch.
Die Hintergründe sind mir nicht bekannt, aber die Brauerei hat sich vor etwa zwei Jahren umstrukturiert. Kehrwieder braut nicht mehr selbst und der kreative Kopf der Brauerei, Oliver Wesseloh, geht im Süden von Deutschland einer anderen Tätigkeit nach. Im Januar 2025 habe ich mich noch enttäuscht gezeigt, dass die ersten alkoholfreien Biere, die auf der Insel Rügen gebraut wurden, weit vom ursprünglichen Geschmack entfernt sind. Nun wird in Nittenau gebraut. So auch das neue Pilsener, das Lighthouse. Das alkoholfreie Pilsener ist für mich die Champions League der alkoholfreien Biere. Das Pils lebt vom herben Aroma und genau das war und ist das große Problem der alkoholfreien Biere. Das ist den kreativen Köpfen der Brauerei gut gelungen.
Das alkoholfreie Lighthouse Pils ist kein Ersatzbier. Es ist ein Pils, das zufällig alkoholfrei ist. Strohblond, klar, trocken, mit einer präzisen norddeutschen Bittere. Aromahopfen setzen feine Zitrus‑ und Kräuternoten, die dem Bier eine moderne Eleganz geben.
Es ist das Pils für Menschen, die ein Pils wollen – nicht eine alkoholfreie Kompromisslösung.
Kehrwieder zeigt, dass alkoholfreies Bier nicht „trotz Alkoholfreiheit“ funktionieren muss. Es funktioniert, weil es gut gemacht ist. Punkt.
Wildwuchs – Die Bio‑Brauerei mit der norddeutschen Seele
Wildwuchs liegt im Süden Hamburgs. Die Brauerei wirkt wie eine Werkstatt, in der Bier nicht produziert, sondern gemacht wird. Bio ist hier kein Marketingwort, sondern gelebte Praxis.
Das alkoholfreie Pils von Wildwuchs schmeckt so, wie man es von dieser Brauerei erwartet: herb, trocken, norddeutsch. Keine fruchtigen Hopfenexperimente, keine modischen Spielereien.
Wildwuchs beweist, dass Bio nicht nach Verzicht schmecken muss. Es kann nach Charakter schmecken. Nach Bittere. Nach Hamburg.
Landgang – Die urbane Brauerei mit Humor und Herz
Die Brauerei Landgang beweist, dass in der Craft‑Szene Humor steckt: Freche Etiketten, experimentierfreudige Biere, ein urbaner Charme, der zwischen St. Pauli und Schanze zuhause ist.
Der alkoholfreie Leichtmatrose ist das zugänglichste der drei Biere und kann so einen „Massengeschmack“ bedienen. Frisch, leicht, moderat bitter, mit einem Hauch Aromahopfen. Ein Pils, das man einfach gern trinkt – ohne darüber nachzudenken.
Landgang zeigt, dass alkoholfreies Bier nicht nur funktional sein muss. Es darf leicht sein. Es darf urban sein. Es darf einfach schmecken.
Drei Biere, drei Philosophien – ein Trend
Hamburg erzählt mit diesen drei Bieren eine Geschichte, die größer ist als die Flaschen:
- Kehrwieder steht für moderne Braukunst und Aromahopfenpräzision.
- Wildwuchs steht für Bio‑Qualität, regionale Rohstoffe und ehrliche Bittere.
- Landgang steht für Urbanität, Humor und zugängliche Leichtigkeit.
Gemeinsam zeigen sie, dass Hamburg eine Auswahl alkoholfreie Pilsener haben muss. Ratsherrn hatte bisher ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Biere zeigen, dass Hamburgs alkoholfreies Bier erwachsen geworden ist.

